METHODIK

1Ai7 — Methodik zur Evaluierung von KI-Einsatzfragestellungen

Die vollständige 1Ai7-Methodik: sieben Entscheidungsfelder (KOMPASS) mit Leitfragen, Bewertungskriterien und Abbruchregeln, dazu Scorecard, Radar-Profil und der periodische Review — von der Use-Case-Klärung bis zur audit-fähigen Go/No-Go-Entscheidung.

DER KOMPASS

Die 7 Entscheidungsfelder — der KOMPASS

Jeder KI-Anwendungsfall wird entlang von sieben Entscheidungsfeldern geprüft. Die Anfangsbuchstaben der Felder bilden das Wort KOMPASS — die Merkstruktur hinter 1Ai7: ein Use Case, sieben Himmelsrichtungen. Die Felder bauen in der angegebenen Reihenfolge aufeinander auf: Erst wenn Ziel, Daten und Rahmenbedingungen geklärt sind, lässt sich der Lösungsansatz seriös wählen.

KKlarheitClarity
OObjektObject
MMaßgabenMandates
PPassungPathway
AAufwandAffordability
SStakeholderStakeholders
SStabilitätStability

Grundlagen (K·O·M) · Entscheidung (P·A) · Umsetzung (S·S)

Jedes Feld wird in der 1Ai7-Scorecard mit 0–5 bewertet (Ampel: grün ≥ 4, gelb 3, rot ≤ 2) und im Radar-Chart als Profil dargestellt. Die Bewertung ist keine Momentaufnahme, sondern wird im 1Ai7-Review periodisch und ereignisgetriggert wiederholt (siehe Feld 7 und Abschnitt Feedback-Ebenen).

Feld 1 — K · Klarheit (Clarity)

Ziel & Erfolgskriterien. Leitfrage: Was soll erreicht werden, und woran erkennen wir, dass es funktioniert?

1.1 Zweckprüfung des Prozesses (vor der Zieldefinition)

Bevor ein Ziel definiert wird, wird der zugrundeliegende Prozess selbst hinterfragt: Was ist der eigentliche Zweck dieses Prozesses — und braucht es ihn in dieser Form überhaupt noch? Einen schlechten Prozess mit KI zu beschleunigen macht ihn nur schneller schlecht („paving the cowpath"). KI ermöglicht oft Prozess-Elimination oder -Neugestaltung statt bloßer Optimierung. Die Entscheidung „bestehenden Ablauf automatisieren vs. Ziel des Prozesses neu denken" wird hier explizit getroffen und dokumentiert.

1.2 Ziel & Erfolgskriterien

Kriterium Ausprägungen Konsequenz
Erwartetes Ergebnis Erkenntnis / Bericht / strukturierte Daten / automatisierte Entscheidung Bestimmt Output-Format und Prozessende
Messbarkeit der Qualität Ground Truth vorhanden / Expertenurteil / nicht messbar Ohne Messbarkeit keine belastbare Evaluierung möglich
Fehlertoleranz Hoch (explorativ) / mittel / niedrig (geschäftskritisch, rechtlich relevant) Bestimmt Automatisierungsgrad
Automatisierungsgrad Vollautomatisch / Human-in-the-loop / KI nur als Assistenz Bei niedriger Fehlertoleranz ist Human-in-the-loop Pflicht

Abbruchkriterium: Lässt sich kein messbares Erfolgskriterium definieren, ist das Vorhaben als Experiment zu deklarieren — nicht als Produktivlösung. Die hier definierten Erfolgskriterien sind zugleich die Grundlage jedes späteren Audits.


Feld 2 — O · Objekt: die Daten (Object)

Art, Menge, Qualität und Sensibilität der Daten, die der Use Case verarbeitet.

2.1 Art der Daten

  • Sprache/Text: Interviews (Transkripte), Dokumente, E-Mails, Freitextfelder
  • Audio/Video: Interviews im Rohformat, Besprechungsaufzeichnungen (Vorstufe: Transkription)
  • Bilder/Scans: Formulare, Fotos, technische Zeichnungen (Vorstufe: OCR / Vision-Modell)
  • Zahlen/strukturierte Daten: Produktionsdaten, Verkaufsdaten, Sensordaten
  • Code
  • Mischformen: PDFs mit Text, Tabellen und Grafiken

Konsequenz: Unstrukturierte Sprache → Sprachmodell sinnvoll. Reine Zahlendaten → klassische Statistik/ML meist überlegen (siehe Feld 4). Audio/Bild → zusätzliche Vorverarbeitungsstufe einplanen.

2.2 Quantität & Frequenz

Kriterium Ausprägungen Konsequenz
Volumen Wenige vs. viele Datensätze Wenig: manuelle Prüfung möglich. Viel: Kontextfenster-Limits, Batch-Verarbeitung, Kosten skalieren
Frequenz Einmalig vs. wiederkehrend Einmalig: pragmatische Lösung, On-Premise lohnt selten. Wiederkehrend: Pipeline, Orchestrierung, Betrieb (Feld 7) wird relevant
Latenz-Anforderung Echtzeit vs. Batch Echtzeit: schnelle/kleine Modelle, lokale Inferenz. Batch: größere Modelle, günstigere Batch-APIs

2.3 Qualität der Daten

  • Sauber strukturiert: XML, JSON, Excel mit konsistenten Werten → direkt verarbeitbar
  • Interpretationsbedürftig: uneinheitliche Einheiten (150 ml vs. 0,5 Liter), Freitext, Tippfehler, gemischte Formate → Harmonisierungsschritt nötig; hier kann KI selbst Teil der Lösung sein
  • Lückenhaft / widersprüchlich: fehlende Werte, Duplikate → Regeln für Umgang definieren (verwerfen, anreichern, kennzeichnen)

2.4 Sensibilität

Stufe Beispiele Konsequenz
Unkritisch Öffentliche Daten, anonyme Aggregate Freie Wahl des Deployments
Personenbezogen Interviews, Kundendaten DSGVO greift (Feld 3); Anonymisierung prüfen
Geschäftsgeheimnisse Produktionskennzahlen, Strategiedokumente Vertragliche Absicherung oder Abschottung
Mit KI anonymisierbar Personenbezug entfernbar (Namen, IDs) Achtung Henne-Ei-Problem: Anonymisierung durch eine Cloud-KI exponiert die Daten bereits beim Anonymisieren. Der Anonymisierungsschritt muss lokal/on-premise laufen — auch wenn die spätere Analyse in der Cloud stattfindet (hybride Architektur)

Feld 3 — M · Maßgaben: Recht & Berechtigungen (Mandates)

3.1 Rechtlicher Rahmen

  • DSGVO: Rechtsgrundlage der Verarbeitung, Datenminimierung, Betroffenenrechte, ggf. Datenschutz-Folgenabschätzung (DSFA). Bei API-Anbietern: Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV), Ort der Verarbeitung (EU/Drittland), Trainingsausschluss vertraglich zusichern lassen
  • EU AI Act: Risikoklassifizierung des Anwendungsfalls (verboten / Hochrisiko / begrenztes Risiko / minimal). Hochrisiko-Anwendungen (z. B. Personalentscheidungen, kritische Infrastruktur) lösen umfangreiche Dokumentations- und Aufsichtspflichten aus, darunter Logging und Post-Market-Monitoring (siehe Feld 7). Zusätzlich: AI-Literacy-Pflicht für Anwender (Art. 4, siehe Feld 6) und Kennzeichnungspflichten bei KI-Interaktion mit Kunden (siehe Feld 6)
  • Urheberrecht / Verträge: Dürfen die Quelldaten überhaupt an Dritte übermittelt werden (NDAs, Lizenzbedingungen)?
  • Branchenspezifisches: z. B. Berufsgeheimnisse, Finanz-/Gesundheitsregulierung
  • Arbeitsrecht / Mitbestimmung: Berührt das System Leistungs- oder Verhaltenskontrolle von Mitarbeitern, greifen Mitbestimmungsrechte des Betriebsrats (Betriebsvereinbarung) — Details und Einbindung in Feld 6

3.2 Berechtigungen & Risikostufen

Klar abgrenzbare Rechte definieren — die Risikostufe steigt mit dem Eingriffsgrad:

Nur-Lesen  <  Schreiben  <  autonome Aktionen (agentisch)
  • Nur-Lesen: geringstes Risiko; Zugriff auf das Minimum beschränken (Need-to-know)
  • Schreiben: Versionierung/Rollback sicherstellen, Schreibziele eingrenzen
  • Aktionen setzen: Guardrails, Freigabeschritte (Human-in-the-loop), vollständige Auditierbarkeit; je autonomer, desto strenger die Anforderungen

Feld 4 — P · Passung: Lösungsansatz, Modellwahl, Deployment (Pathway)

4.1 Grundsatzentscheidung: Wo sitzt die KI?

  1. KI als Analysewerkzeug: Das Modell verarbeitet die Daten direkt (Tagging, Zusammenfassung, Extraktion, Interpretation). Geeignet für unstrukturierte Sprache und semantische Aufgaben
  2. KI-erstellte Software zur Analyse: Die KI schreibt das Analyse-Skript, die Berechnung läuft klassisch-deterministisch. Geeignet für Zahlendaten — reproduzierbar, prüfbar, skaliert ohne Token-Kosten
  3. Gar keine KI in der Analyse: Klassische Statistik / BI / regelbasierte Verarbeitung. Bei strukturierten Zahlendaten (Produktions-, Verkaufsdaten) oft die robusteste und günstigste Option — diese Möglichkeit explizit prüfen, bevor ein LLM gesetzt wird

4.2 Modelltyp

Typ Geeignet für Hinweise
Generalistisches LLM (Cloud) Komplexe Sprach- und Reasoning-Aufgaben Höchste Qualität, Datenabfluss beachten
Kleines lokales Modell (SLM) Wiederkehrende, eng umrissene Aufgaben (Klassifikation, Tagging, Extraktion) On-Premise-tauglich, günstig im Dauerbetrieb
Domänenspezifisch / feingetuned Branchen- oder Fachsprache, stabile wiederkehrende Aufgabe Trainingsdaten und Pflegeaufwand nötig
Klassisches ML / Statistik Strukturierte Zahlendaten, Prognosen, Anomalieerkennung Deterministisch, erklärbar, etabliert

4.3 Deployment-Modell

Das Deployment ist keine freie Wahl, sondern folgt aus Sensibilität (Feld 2) und Rechtslage (Feld 3):

Modell Geeignet wenn Trade-offs
Dienstanbieter (API/Chat, z. B. Claude, Copilot) Daten unkritisch oder vertraglich abgesichert (AVV, EU-Region) Beste Modellqualität, geringer Betriebsaufwand; laufende Kosten, Abhängigkeit
On-Premise / self-hosted (z. B. Ollama) Hohe Sensibilität, regulatorische Pflicht, hohes Dauervolumen Volle Kontrolle; Hardwarekosten, geringere Modellqualität, eigener Betrieb
Hybrid Sensible Vorverarbeitung lokal, Analyse in der Cloud Kombiniert Vorteile; höhere Architekturkomplexität

Feld 5 — A · Aufwand: Wirtschaftlichkeit & Lock-in (Affordability)

  • Kostenvergleich: API-Token-Kosten (skalieren mit Volumen) vs. Hardware + Strom + Personal beim Self-Hosting (Fixkosten)
  • Entwicklungsaufwand: Make-or-buy — existiert ein fertiges Produkt für den Anwendungsfall?
  • Vendor-Lock-in: Austauschbarkeit des Modells/Anbieters in der Architektur vorsehen (Abstraktionsschicht, standardisierte Schnittstellen)
  • Faustregel: Einmalprojekt mit moderatem Volumen → API. Dauerbetrieb mit hohem Volumen oder hoher Sensibilität → Self-Hosting durchrechnen
  • Folgekosten einrechnen: Schulung und Change-Begleitung (Feld 6) sowie Betrieb, Monitoring und Reviews (Feld 7) gehören in die Gesamtrechnung — nicht nur die Technik

Feld 6 — S · Stakeholder: Menschen & Akzeptanz (Stakeholders)

Leitfrage: Wollen die Betroffenen das — und verändert es für sie das Richtige?

6.1 Mitarbeiter & Organisation

  • Akzeptanz & Ängste: Sorge vor Jobverlust, Kontrollverlust oder Dequalifizierung offen adressieren; Narrativ „Entlastung statt Ersetzung" nur verwenden, wenn es stimmt
  • Skills & AI Literacy: Schulungsbedarf erheben; der EU AI Act verlangt ausreichende KI-Kompetenz der Anwender (Art. 4) — Qualifizierung ist Pflicht, nicht Kür
  • Mitbestimmung: Betriebsrat frühzeitig einbinden; viele KI-Systeme berühren Leistungs-/Verhaltenskontrolle und sind damit betriebsvereinbarungspflichtig. Frühe Einbindung statt Konfrontation
  • Change-Kommunikation: Wer ist betroffen, was ändert sich konkret in der täglichen Arbeit, wer beantwortet Fragen? Rollenveränderungen explizit benennen
  • Praxiswissen einholen: Operative Mitarbeiter liefern Edge Cases und Realitätscheck — ohne sie ist jedes Scoring Theorie

6.2 Kunden & Customer Experience

  • Wirkung auf das Kundenerlebnis: Verbessert die KI das Erlebnis messbar — oder beschleunigt sie nur die Abfertigung?
  • Transparenz & Kennzeichnung: Kunden müssen erkennen können, dass sie mit einer KI interagieren (AI-Act-Kennzeichnungspflicht)
  • Eskalation zum Menschen: Ein garantierter, leicht erreichbarer Weg zu einem menschlichen Ansprechpartner ist Pflichtbestandteil jedes kundengerichteten KI-Einsatzes
  • Vertrauen & Grenzen: Personalisierung vs. Übergriffigkeit abwägen; Kundenfeedback systematisch erheben (fließt in den Feedback-Loop, Feld 7)

Feld 7 — S · Stabilität: Betrieb, Prozess, Review (Stability)

Relevant ab „wiederkehrend" (Feld 2) — bei Einmalprojekten verkürzt prüfbar.

7.1 Verlässlichkeit im Dauerbetrieb

  • Reproduzierbarkeit: LLMs sind nicht deterministisch — gleicher Input ≠ gleicher Output. Maßnahmen: Temperature 0, strukturierte Outputs (JSON-Schema), Versionierung von Prompts und Modellversion, deterministische Schritte wo möglich (siehe Feld 4, Variante 2)
  • Nachvollziehbarkeit / Erklärbarkeit: Kann das Ergebnis begründet werden? Zwischenergebnisse und Quellenbezüge protokollieren; bei Hochrisiko-Anwendungen (AI Act) Pflicht
  • Modell-Updates: Anbieter tauschen Modelle aus, lokale Modelle veralten. Regressionstests mit festem Testdatensatz vor jedem Wechsel
  • Monitoring: Qualitätsdrift, Kosten, Fehlerraten im Dauerbetrieb überwachen
  • Verantwortlichkeiten: Wer betreibt, wartet und verantwortet das System fachlich und technisch?

7.2 Referenzprozess

Referenzprozess für die Verarbeitung — einzelne Schritte können je nach Fall entfallen:

  1. Auswahl nach Relevanz: Soll ein Datensatz überhaupt einbezogen werden? (Filterregeln, ggf. KI-gestützte Vorklassifikation)
  2. Sensibilität entfernen: Anonymisierung / Entfernen von Geschäftsgeheimnissen — zwingend lokal, bevor Daten eine abgeschottete Umgebung verlassen (siehe Feld 2.4)
  3. Aufbereitung / Harmonisierung: Umwandlung in strukturierte Daten, Vereinheitlichung von Einheiten und Formaten, Bereinigung (siehe Feld 2.3); bei Audio/Bild: Transkription/OCR als Vorstufe
  4. Analyse: Durchführung gemäß gewähltem Lösungsansatz (Feld 4)
  5. Interpretation: Einordnung der Ergebnisse, Ableitung von Aussagen
  6. Validierung / Qualitätskontrolle: Stichprobenprüfung gegen Erfolgskriterien (Feld 1), Plausibilitätschecks, bei niedriger Fehlertoleranz vollständige menschliche Freigabe
  7. Output & Feedback-Loop: Weiterverwendung der Ergebnisse; erkannte Fehler fließen zurück in Prompts, Regeln oder Filterkriterien

7.3 Review-Zyklus (1Ai7-Review)

Die Scorecard ist eine versionierte Momentaufnahme — jedes Feld ist beweglich (Recht ändert sich, Modelle und Preise ändern sich, Akzeptanz entwickelt sich, Datenvolumen wächst). Deshalb:

  • Periodisches Re-Scoring: alle sieben Felder werden in festem Rhythmus (z. B. jährlich) erneut bewertet; Profile werden im Radar übereinandergelegt (t0 vs. t1)
  • Ereignisgetriggerte Reviews bei: Modell- oder Anbieterwechsel, Rechtsänderung (z. B. AI-Act-Stufe), Skalierungssprung, Sicherheits-/Qualitätsvorfall, gehäuften Beschwerden
  • Compliance-Anker: Für Hochrisiko-Systeme ist kontinuierliche Überwachung ohnehin Pflicht (AI Act: Logging, Post-Market-Monitoring); auch eine DSFA ist bei wesentlichen Änderungen zu aktualisieren

Stakeholder-Map: Wer liefert was — und was hat er davon? (Stakeholder map)

Abzugrenzen von Feld 6: Das Feld Stakeholder bewertet die Menschen-Dimension des Use Case (Akzeptanz, Skills, CX) als Score. Die Stakeholder-Map ordnet darüber hinaus alle Beteiligten allen sieben Feldern zu — die 7 Felder sind das Was der Analyse, die Map das Wer. Jeder Stakeholder ist Informationsquelle für bestimmte Felder und Empfänger eines konkreten Ergebnisses:

Stakeholder Rolle in der Analyse (Input) Nutzen vom 1Ai7-Ergebnis (Output)
Geschäftsführung Definiert Ziel, Strategie-Fit, Risikoappetit; trifft Go/No-Go Belastbare Entscheidungsgrundlage, Risikoprofil, dokumentierte Sorgfalt (Haftung, AI Act)
Abteilungsleiter (Prozessowner) Kennt Ist-Prozess, Datenrealität, Schwachstellen; challenged die Zweckprüfung Weiß früh, was sich in seinem Bereich ändert; Ressourcen- und Übergangsplanung
Projektleiter Orchestriert die Analyse, moderiert Scoring-Workshops Scorecard als Steuerungsinstrument, Risikoregister, priorisierte Roadmap
Operative Mitarbeiter Liefern Praxiswissen und Edge Cases Klarheit über die eigene Rolle, Schulungsplan, Entlastungs- statt Ersetzungs-Narrativ
Betriebsrat / HR Mitbestimmung, Arbeitsrecht, Skills-Inventar, Schulungsplanung Frühe Einbindung statt Konfrontation; Grundlage für Betriebsvereinbarung und Qualifizierung
Kunde CX-Anforderungen, Akzeptanz von KI-Kontaktpunkten (Befragung/Tests) Transparente KI-Nutzung, garantierte Eskalation zum Menschen, besseres Erlebnis
Aufsichtsbehörde / Datenschutzbeauftragter Indirekt: Anforderungen fließen in Feld 3 (DSFA, Risikoklasse) Audit-fähige Dokumentation — die ausgefüllte 1Ai7-Analyse ist selbst der Nachweis
KI-Berater Führt die Methodik, challenged Annahmen, bringt Markt- und Modellwissen Klares Mandat und Deliverable; 1Ai7 ist sein Werkzeugkasten
IT / IT-Dienstleister Bewertet Machbarkeit, Architektur, Integration, Betreibbarkeit Saubere Anforderungen statt vager Wünsche; weniger Scope-Drift, klare Betriebsübergabe

Feedback auf drei Ebenen (Three feedback loops)

  1. Loop (im Use Case): operatives Feedback im laufenden Betrieb — Monitoring, Nutzer- und Kundenfeedback, erkannte Fehler fließen zurück in Prompts, Regeln und Filter (Referenzprozess Schritt 7)
  2. Review (am Use Case): periodisches und triggerbasiertes Re-Scoring aller sieben Felder; versionierte Scorecards machen die Entwicklung im Radar sichtbar (Feld 7.3)
  3. Lernende Methodik (über Use Cases hinweg): Portfolio-Auswertung — welche Felder reißen am häufigsten, wo lagen Scorings daneben? Daraus werden Leitfragen und Schwellenwerte nachkalibriert und Benchmarks aufgebaut

Anhang: 1Ai7-Scorecard (Scorecard)

Bewertung je Frage bzw. aggregiert je Feld: Score 0–5, Ampel grün ≥ 4 / gelb 3 / rot ≤ 2. Darstellung als Radar-Profil; jede Scorecard trägt Datum und Version.

# Frage Feld
1 Wurde der Prozess selbst hinterfragt — automatisieren oder neu denken? K · Klarheit
2 Ist das Ziel definiert und die Qualität messbar? K · Klarheit
3 Welche Fehlertoleranz besteht — Human-in-the-loop nötig? K · Klarheit
4 Welche Datenarten liegen vor (inkl. Audio/Bild/Mischformen)? O · Objekt
5 Einmalig oder Dauerbetrieb? Volumen? Echtzeit oder Batch? O · Objekt
6 Sind die Daten strukturiert oder interpretationsbedürftig? O · Objekt
7 Personenbezug, Geschäftsgeheimnisse — lokal anonymisierbar? O · Objekt
8 DSGVO/AVV geklärt? AI-Act-Risikoklasse bestimmt? DSFA nötig? M · Maßgaben
9 Berechtigungen minimal? Risikostufe Lesen/Schreiben/Aktionen? M · Maßgaben
10 KI-Analyse, KI-erstellte Software oder gar keine KI? P · Passung
11 Passender Modelltyp gewählt (LLM/SLM/feingetuned/klass. ML)? P · Passung
12 Folgt das Deployment-Modell aus Sensibilität und Recht? P · Passung
13 Kosten über Laufzeit gerechnet (inkl. Schulung/Betrieb)? Lock-in vermieden? A · Aufwand
14 Mitarbeiter eingebunden? Schulung/AI Literacy geplant? Betriebsrat an Bord? S · Stakeholder
15 Kunden-Erlebnis geprüft? Kennzeichnung und Eskalation zum Menschen gesichert? S · Stakeholder
16 Reproduzierbarkeit, Monitoring, Verantwortliche geklärt? S · Stabilität
17 Validierung und Feedback-Loop im Prozess verankert? S · Stabilität
18 Review-Zyklus und Trigger für das Re-Scoring definiert? S · Stabilität

Lizenz (License)

Creative-Commons-Lizenz CC BY 4.0

CC BY 4.0 — Nutzung, Weitergabe und Bearbeitung (auch kommerziell) erlaubt, Verweis auf 1Ai7.com erforderlich.